Auf Galileis Spuren #03: Der Blick ohne Grenzen

Auf Galileis Spuren #03: Der Blick ohne Grenzen” ist die dritte Folge und letzte Folge über mein erstes Erlebnis mit einem sogenannten “Kaufhausteleskop” und gleichzeitig auch mein Einstieg in die Amateurastronomie.
Den ersten Teil findest du hier.

Wie in der letzten Episode (Auf Galileis Spuren #02: Endlich geht es los) erzählt, wurde von mir Arktur der rote Riese schon anvisiert. Jetzt trennen mich nur noch Sekunden von meiner ersten astronomische Peepshow. In den letzten paar Tagen habe ich einiges gelesen, viel gelernt und ich glaub noch mehr vergessen. Immerhin verstehe ich mittlerweile das Verhältnis zwischen Brennweite, Öffnung und Okular und rechne daher für die heutige Nacht mit ernüchternden Bilder.

Der erste Blick in die Unendlichkeit

Ich möchte nach der etablierten Standardmethode vorgehen, dass heisst erst anvisieren, dann mit der kleinsten Vergrößerung für Übersicht sorgen und zu guter Letzt vergrößern was geht. Ich blickte also durch das Okular und wie zu erwarten war das Bild düster. Es war nicht wirklich schwarz, sondern glich eher einem matschigen dunkelgrau. Ich drehe am Fokusierrad und allmählich änderte sich das Bild von matschig zu einem satten schwarz, aber außer einigen winzigen Pünktchen, war nichts zu sehen.

Allen Anschein nach habe ich den Sucher nicht richtig kalibriert, was mich auch nicht wirklich verwundert. Das kleine Ding am Teleskop ließ sich auch nur „bescheiden“ einstellen. Mit hängen und würgen und noch mehr Pi mal Daumen, war die weit entfernte Satellitenschüssel (als Analogie zum oft hergenommenen Kirchturm) nur annähernd in die gleiche Position zu bringen wie am Teleskop. Dabei konnte ich an den drei Justierschrauben des Suchers drehen was ich wollte, mehr als ein „gerade so“, war da nicht drin.

Egal, allzu weit konnte er ja nicht entfernt sein und Arktur sollte sich zumindest in der Nähe meines Gesichtsfeld befinden. Mit einem sanftem bewegen des Teleskops, begann ich den Raum rundherum abzusuchen.

“Ach du heilige sche… ist das Ding empfindlich”…“Ich habs doch kaum berührt”.

Ich habe zwar davon gelesen, aber das selber am eigenen Teleskop zu erfahren, war was ganz anderes. Das Ding war empfindlich, super empfindlich. Als ich versuchte mein Teleskop in Bewegung zu setzten, gab es einen kleinen Ruck in selbige Richtung. Mit einer smothen Bewegung hatte das sicherlich nichts zu tun.

Beim zweiten Versuch bemühte ich mich das Teleskop nur leicht anzutippen. Das funktionierte zwar deutlich besser, hatte aber den Nachteil das ich mich irgendwie zitternd durchs All bewegte. Nebenbei hatte ich das Gefühl, dass meine Montierung seine liebe Not mit der Länge des Teleskops hatte. Ich empfand es zumindest so, denn bei jeder Drehbewegung verzog sich irgendwie das ganze Gestell. Es war zwar nur gerade so wahrnehmbar, aber es war da. Nichtsdestotrotz bewegte ich das Teleskop langsam in entgegengesetzter Richtung.

Nach einer kurzen Zitterpartie in der Ebene, war ich an der richtigen Stelle angelangt. Hier über mir musste er also sein. Erkannt habe ich das dadurch, weil es am oberen Rand des Okulars etwas heller wurde. Höchste Zeit das Teleskop vertikal zu bewegen. Ganz sanft tastete ich mich in Richtung der Höhenregulierung und versuchte dabei so wenig wie möglich den Blick vom Okular zu lassen. Ich drehe an der Mutter und ganz langsam bewegte sich ein heller und leicht verschwommener Ball von oben ins Bild.

Also mit der Feinjustierung klappt das bewegen ja ganz ordentlich, dachte ich mir. Schade das es für die horizontale Bewegung nicht auch so eine Feinjustierung gab. Ohne meinen Blick vom leicht verschwommenen Ball zu lösen, tastete ich mich an das Fokussierrad und drehte. Der Ball wurde schärfer, aber leider auch kleiner, viel kleiner! Bis am Ende nur noch ein winziger hell strahlender Punkt zu sehen war.

Zeit das Okular zu tauschen, dachte ich mir und so fand das 12,5mm Okular seinen Platz in der Okularaufnahme des Teleskops. Arktur wurde zwar wieder zum verschwommenen Ball, hatte aber diesmal zwei Farben. Linke Seite gelb, rechte Seite blau. Das drehen am Fokus machte den Stern zwar wieder kleiner und schärfer, aber nicht wieder einfarbig. Weiter vergrößern, dachte ich mir! Also rein mit dem 4mm Okular und auf satte 225fach vergrößert. Leider war dann nichts mehr zu sehen! Also entweder war der Stern einfach nur weiter gewandert oder ich hatte schon wieder unbeabsichtigt das Teleskop verschoben. Gefühlte 10 Minuten und dem herunter zelebrieren sämtlicher Streichelzoo Tiere später, gelang es mir mit dem 4mm Okular Arktur irgendwie vor die Linse zu bekommen.

Wie gesagt, Irgendwie, denn Arktur war, wenn überhaupt, nur schemenhaft und dunkel am Ende eines vernebelten Tunnels zu erkennen. Das verstellen am Fokus brachte außer einer massiven Wackeloptik rein gar nichts. Dann lieber doch wieder das 12,5mm Okular. Der anschließende Versuch routiniert das Okular zu tauschen, wurde mit einem verstellen des Teleskops und dem verschwinden Arktus belohnt. Der Tausch selber war nicht das Problem, aber mein Knie! Dieses berührte nur minimalst das Bein des Stativs und schon schaukelte sich das ganze Konstrukt auf. Mit der Bemühung händisch das Teleskop möglichst schnell zur Ruhe zur bringen, habe ich es dann komplett verstellt. Na ganz toll.

Ich unterbrach also meine Beobachtung, ließ mir aber das Bild von Arktur nochmals gedanklich durch den Kopf gehen. Aus Dokus wusste ich das sich Doppelsterne sehr eng umkreisen und dabei meist unterschiedliche Größe und Farbe hatten. Gut möglich das ich hier einen Doppelstern gesehen habe.

Auf der Suche nach einem Doppelstern

Da ich Arktur ohnehin aus dem Okular verlor, könnte ich gleich mein Smartphone nach einem neuen Doppelstern suchen lassen. Capella! Zumindest war das der Name den mir mein Smartphone dabei zeigte.

Capella befand sich im Westen und beinahe gegenüber von Arktur. Ich schwenkte also das Teleskop herum und begann mit dem Sucher den Stern zu erfassen. Anhand Arktur wusste ich, dass ich mit dem Sucher lieber leicht oberhalb und rechts versetzt anhalten sollte. Ein Blick durchs Teleskop bestätigte meine These und Capella war zumindest am Rand meines Gesichtsfeldes zu sehen. Ein paar Zitterbewegungen später war er auch schon mittig im Bild.

Obwohl es sich bei Capella um ein Doppelstern handeln sollte, erschien er „nur“ als einzelner bläulicher Punkt. Zwei Sterne, Fehlanzeige. Also Arktur, der einfache Stern, sah da schon mehr nach einem Doppelstern aus. Allerdings war ich weder enttäuscht noch verärgert, denn der Anblick war aus einem ganz anderen Grund mehr als nur atemberaubend.

Ein bisschen DeepSky

Der Blick durchs Teleskop zeigte mir neben Capella etliche kleine Sterne, also so richtig viele! Nicht drei oder vier wie bei Arktur, sondern mindestens zehn oder fünfzehn. Das könnte es also sein, nahm ich an, das ominöse Deep-Sky. Ich wechselte bestimmt zehn mal zwischen der normalen Sicht und dem Teleskop, nur um bei jedem mal noch beeindruckter zu sein. Mein nächster Gedanke galt der Milchstraße, beziehungsweise der Blick nach ihr, aber wo ist sie nur? Verdammt! Genau hinterm Haus. Ich muss irgendwie Abstand zu diesem gewinnen. Mein Blick wanderte automatisch auf das Trapezdach des Carports. Das dürfte von der Entfernung her reichen, mutmaßte ich.

Als erstes wurde das Teleskop samt Montierung über die Brüstung gehoben. Danach zog ich einen Stuhl her und wuchtete mich selber darüber. Ich ging ein paar Meter in Richtung Carportkante und drehte mich um. Wahnsinn!!! So habe ich die Milchstraße selten gesehen. Ach was, noch nie! Wieder einmal war ich froh nicht in der Stadt zu leben und wieder einmal wurde mir eine weitere im Vorfeld behauptete Hypothese bestätigt. Das Auge braucht gut 30 Minuten bis es sich an die Dunkelheit gewöhnt hat und das hat es anscheinend.

Ein Blick auf die Uhr verriet mir das ich auch schon mehr als zwei Stunden in der Dunkelheit verbracht habe. Zwei Stunden? War ich wirklich schon so lange draußen? Klar, es war alles neu und jedes tun musste überlegt werden. Ganz zu schweigen von meiner Wackelsucherei, welche gefühlt 70% der Zeit für sich beansprucht hat, aber über zwei Stunden?

Leider hatte ich Smartphone und Okulare am Balkon liegen lassen oder besser gesagt zum Glück. Da ich nämlich zu faul (und zu müde) war, um mich abermals über das Geländer zu verfrachten, musste ich alles mit dem 20mm Okular betrachten. Was sich im Nachhinein als das beste Okular für diese Nacht herausgestellt hat. Es war zwar nicht groß, im Sinne der Vergrößerung, aber majestätisch in seiner Pracht. In dieser Zeit wurde auch mein Entschluss gefasst, Amateurastronomie zu meinem neuem Hobby zu erklären und das man auch mit einem „billigen“ Teleskop Spaß haben kann.

Nachtrag

Es gab so einige Dinge die sich mir in dieser Nacht offenbart hatten. Erstens verdanke ich meine Doppelsternerfahrung dem schlechten Seeing und zweitens möchte ich mein Hobby mit kleinen Schritten begegnen. Das heisst das ich vorerst mein liebgewonnenes „Kaufhausteleskop“ behalte, aber das restliche Zubehör peu à peu austausche, allen voran die grottige Montierung. Denn kleine Schritte führen zum Erfolg und überfordern dabei nicht.

2 Gedanken zu „Auf Galileis Spuren #03: Der Blick ohne Grenzen“

Schreibe einen Kommentar

%d Bloggern gefällt das: