Funktioniert besser als gedacht, meine alte Sony Nex-5 als Astrocam

Als frisch gebackener Einsteiger in der Astronomie und noch frischerer Einsteiger in der Astrofotografie, wollte ich meine Jahrzehnte lange und gutlaufende Ehe nicht mit weiteren finanziellen „Großprojekten“ strapazieren. Immerhin wanderten innerhalb meines halbjährigen bestehen als Amateurastronom, viel mehr Gelder über die Ladentheke als ursprünglich ausgemacht. Für manche mag das was ich an Teleskop, Montierung und weiterem Zubehör ausgeben habe pillepalle sein, aber diese paar „Kollegen“ führen auch den Gegenwert eines Kleinwagens über den Himmel. Für mich persönlich ist es bisher aber schon ein richtiger Batzen an kapitalen Aufwand gewesen.

Aus diesem Grund konnte und wollte ich nicht auch noch dem Astrofoto-Mammon riesige Mengen an Gelder in den Rachen werfen, noch nicht. Dennoch wollte ich ein bisschen mehr als nur „Schnappschüsse“ machen und das einzige was mir diesbezüglich zur Verfügung stand, war meine alternde spiegellose Systemkamera aus dem Hause Sony.

Zu ihrer Zeit, also vor knapp 10 Jahren, war Sony´s Knuddelmaus eine kleine Wunderwaffe. Kompakt, leicht und verhältnismäßig Rauscharm. Durch die Möglichkeit eines Wechselobjektivs, sollte sich da schon etwas machen lassen.

Astronomische Daten der Sony NEX-5

  • Bildsensor: CMOS APS-C
  • Sensorgröße: 23,6 x 15,8 mm (Cropfaktor 1,5)
  • Auflagemaß: 18mm
  • Pixelabstand: 5,1 µm
  • Max. Auflösung: 4.592 x 3.056 Pixel (3:2)
  • Bildformate: JPG und RAW
  • Objektivanschluss: Sony E-Mount
  • Belichtungszeit: 1/4.000 bis 30 s und Bulb
  • ISO 200 bis ISO12800
  • IR-Empfänger
  • Klappdisplay

Sony NEX-5 modifizieren

So ganz ohne Modifikationen ist es natürlich nicht möglich die NEX zu einer Kooperation mit meinem Newton zu überreden. Glücklicherweise hielten sich preislich alle Anschaffungen in Grenzen und mittlerweile lässt es sich ganz komfortabel mit ihr arbeiten.

Objektiv Adapter Ring

Um Sonys Knipse überhaupt in den Okularauszug des Teleskops schieben zu können, benötigt man einen so genannten „Objektiv Adapter Ring“ (Amazon). Also runter mit dem Objektiv und dafür den Adapter „aufbajonettieren“. Das ganze besteht aus zwei Teilen und beinhaltet einen E-Mount Adapter Ring mit T2 Gewindeanschluss und einen 1,25 Zoll Okular Adapter.

Anfangs habe ich mich noch über die Breite des Adapters gewundert, sahen doch die der anderes DSLR´s viel schmäler aus. Das ganze hat aber, wie ich später herausgefunden habe, mit dem Auflagemaß zu tun. Also den Abstand zwischen Fotosensor und Objektivanschluss.

Das Wissen um diesen Abstand ist wichtig, vor allem wenn man später einmal einen Komakorrektor benutzen möchte oder gar muss. Viele Komakorrektoren, zum Beispiel meiner von Baader, verlangen einen 55mm großen Abstand zum Bildsensor. Da die Sony Knipse ein kompaktes Gehäuse besitzt, ist der Abstand vom Sensor zur Objektivöffnung sehr kurz. Um genau zu sein beträgt der Abstand exakt 18mm und erklärt auch den Namen des Objektivanschlusses, denn das E in „E-Mount“ steht für Eighteen.

Bei der beliebten Canon EOS Reihe hingegen, nur um ein Beispiel zu nennen, beträgt der Abstand 44mm, ergo muss der Adapter auch viel schmaler ausfallen um auf das 55mm Gesamtmaß zu kommen.

Später habe ich den aufschraubbaren 1,25 Zoll Aufsatz gegen eine 2 Zoll Aufsatz getauscht (Amazon), dadurch gelang definitiv mehr Licht auf den Sensor der Kamera. Aufgefallen ist es mir das durch ein erhöhtes Sternaufkommen im elektronischen Sucher der Kamera. Mit dem 1,25″ Okularanschluss fand man nur schwer einen Stern im Display, mit dem 2″ Adapter waren deutlich mehr Sterne vorhanden.

Stromversorgung

Die Liebe gute Stromversorgung! Wer einmal mitten unter den Aufnahmen mit einem blinkenden Batteriesymbol gefoltert wurde, ist für immer gebrandmarkt in der Astrofotografie. Aus diesem Grund musste ich mir unbedingt eine externe Stromversorgung für die Sony NEX-5 besorgen.

Leider können die NEX Kameras nur über den Akkufach mit Strom versorgt werden, einen externen Anschluss gibt es leider nicht. Glücklicherweise wartet hierfür der Deckel mit einer Aussparung für die sündhaft teuren Akku-Dummys von Sony (Amazon) auf. Für diejenigen unter euch die keinen Bock haben Sony mit Geld zu bewerfen, können zu einen der vielen Nachbauten greifen. Meiner funktioniert bisher tadellos und auch über Stunden hinweg (Amazon).

Sony NEX-5 fernauslösen

Die Sony NEX-5 besitz leider nur einen Fernauslöser auf Infrarot Basis. Mit einer 7 Euro Fernbedienung (Amazon) ist es zumindest möglich die Kamera aus der Ferne auszulösen.

Der Komfort leidet aber in zweierlei Hinsicht! Erstens befindet sich der Infrarot Empfänger der Kamera an der Front, was das Auszulösen der Kamera im montierten Zustand erschwert und zweitens lässt die Sony Kamera nur 30 Sekunden an Belichtungszeit zu.

Den ersten Umstand kann man leicht durch einen Infrarot Repeater (Amazon) umgehen. Dieser empfängt das Infrarot Signal der Fernbedienung und leitet diesen per Kabel an einen Infrarot-Sender weiter. Dieser Sender sollte dann Blickkontakt zum Empfänger der Kamera haben und e voilà, schon löst die Kamera aus. Als Stromversorgung des Repeaters dient ein USB-Stecker.

Umstand Nummer zwei ist da schon etwas kniffliger. Von Haus auf kann die Sony nur eine Belichtungszeit von max. 30 Sekunden. Möchte man länger belichten, muss man in den „Bulb“ Modus wechseln. Hiermit regelt man die Verschlusszeit manuell. Das heisst mit dem ersten Impuls (Auslöser) öffnet man den Verschluss und mit dem zweiten Impuls schließt man diesen wieder. Möchte man jetzt eine Belichtung von 120 Sekunden machen, muss man den Auslöser drücken, 120 Sekunden warten, und dann wieder den Auslöser drücken. Bei mehreren Aufnahmen wiederholt man diesen Vorgang natürlich.

Automatisierte Bilderserie mit Langzeitbelichtung

Möchte man jetzt 60 Aufnahmen oder mehr mit je einer Minute Belichtungszeit machen, kann das schon sehr langwierig und eintönig werden. Das ganze geht glücklicherweise auch komfortabler. Hierzu benötigt man ein Android Endgerät mit Infrarot-Sender und der „DSLR Remote“ App.

Für zwei Flaschen hochwertigen Rotwein, konnte ich meinen Arbeitskollegen dazu überreden mir sein altes Samsung S5 Smartphone zu überlassen. Im Zusammenspiel mit der oben genannten App, lässt sich super einfach ein Bilderserie mit freidefinierbarer Belichtungszeit erstellen.

Neben der Verschlusszeit und der Anzahl der Aufnahmen, lassen sich auch die Pausen zwischen den Aufnahmen und eine Pause vor der ersten Aufnahme bestimmen. Hat man alle Parameter eingegeben und gestartet, kann man sich bequem zurücklehnen und der App alles weitere regeln lassen.

Fazit

Der Umbau der alten Sony NEX-5 hat sich für mich persönlich ausgezahlt. Selbst wenn man nicht im Besitz der Sony Systemkamera ist, lässt sich diese für wenig Geld auch gebraucht erwerben. Allerdings kosten auch „alte“ EOS Geräte nicht viel mehr, dafür kann die NEX-5 mit ihrer kompakten Bauweise und dem Gewicht punkten.

Um den Komfort am Balkon noch weiter zu erhöhen, bekam die Sony einen Stehtisch mit Rollen. Beziehungsweise bekam ich den Stehtisch mit Rollen. Jetzt ist alles an seinen Platz, sauber verkabelt und kann pipifein benutzt werden.


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