Das „Skywatcher EQ-5 Zweiachsen Motorset RA / DEC mit ST4 Autoguider Port“ in der Praxis

Möchte man mit dem Teleskop nicht nur Planeten sondern auch Objekte außerhalb des Sonnensystems fotografieren, kommt man um eine Langzeitbelichtung und so um eine automatische Nachführung nicht herum. Theoretisch ist es zwar auch möglich manuell nachzuführen, wurde von mir auch Anfangs so gemacht (link), aber mehr als 5 bis 10 Sekunden sind nicht drin. Für die meisten DeepSky Objekte ist aber eine längere Belichtung notwendig, selbst die helleren unter ihnen, wie M31 Andromeda oder der Kugelsternhaufen M13, benötigen eigentlich mehr als 10 Sekunden Belichtungszeit.

Grundlegendes zur Nachführung

Um ein Objekt möglichst lange und exakt verfolgen zu können, muss eine sogenannte Nachführung vorhanden sein. Diese lässt sich aber auch bei fast jeder parallaktischen Montierung nachrüsten und bewegt das Teleskop in der gleichen Geschwindigkeit dem Objekt hinterher, wie sich die Erde unter diesem hinweg dreht.

Die günstigste alternative für eine Nachführung dürfte die einmotorige RA-Nachführung (*) sein. Hierbei muss aber die Montierung exakt in Richtung Himmelsnordpol zeigen, da sich sonst das Objekt über einen längeren Zeitraum in eine Richtung aus den Staub macht.

Die „Luxusvariante“ der einmotorigen Nachführung, ist die mit zwei Motoren (*). Ein Vorteil liegt aber nur in der bequemeren Ausrichtung des Teleskops, denn einen fotografischen Zweck hat der zweite Motor an Deklinationsachse nicht.

Auch hier gilt das gleiche wie bei der einmotorigen Nachführung! Es muss exakt in Richtung Himmelsnordpol zeigen.

Zauberwort Autoguiding und ST4

Die beste Art der Nachführung, auch über einen längeren Zeitraum hinweg, bekommt man nur mit dem Autoguiding zustande. Hierbei überwacht eine zusätzliche Kamera die Bewegung des Himmels und gibt Korrekturvorschläge an die Motoren der parallaktischen Montierung weiter. Dafür ist aber eine Schnittstelle Namens ST4 notwendig, welche standardisiert ist und keine zusätzlichen Treiber benötigt

Das Skywatcher EQ-5 Zweiachsen Motorset mit ST4 Anschluss

Das Skywatcher EQ-5 Zweiachsen Motorset mit ST4 (*) wird unter vielen Namen angeboten, wie „Skywatcher Zweiachsen-Schrittmotorsteuerung für EQ5-Montierung mit Autoguider-Schnittstelle“ (*) oder „Skywatcher EQ-5 Zweiachsen Motorset RA / DEC mit ST4-Autoguider Port“.

Im Grunde genommen handelt es sich hierbei um ein offizielles Nachrüstset für die Skywatcher EQ5 oder der NEQ5, ist aber auch mit vielen anderen EQ5 Montierung kompatibel, wie z.B. der Vixen GPDX.

Lieferumfang

Im schlichten Karton des chinesischen Produktes findet man so einiges, darunter…

  • eine Handbox mit Autoguiding-Anschluss
  • je ein Schrittmotor für Rektaszension und Deklination
  • zwei Motorkabel
  • zwei Kupplungen
  • Montagewerkzeug
  • Batteriehalter für vier 1,5-V-Batterien und
  • so etwas wie eine Bedienungsanleitung

Was nicht im Lieferumfang aber für mich unabdingbar war, ist eine externe Stromversorgung über die 230V Steckdose. Leider liegt dem Set kein Netzteil bei, aus diesem Grund habe ich mir zusätzlich dieses Netzteil (*) kaufen müssen. Es funktioniert bisher tadellos und besitzt sogar eine weitere Stromversorgung für ein USB Gerät.

Montage der Skywatcher EQ-5 Zweiachsen Motorset mit ST4

Die Montage des EQ5 Motorset hat sich für mich als promovierter englischer Linguistik Absolvent mit Volkshochschulabschluss als sehr herausfordernd herauskristallisiert. Aus diesem Grund habe ich versucht die Anleitung per Google Translate ins deutsche zu übersetzen. Anscheinend hatten die Chinesen aber die gleiche Idee und nach drei automatisierten Übersetzungen, blieb leider nicht mehr viel vom Inhalt über. So musste ich notgedrungen anhand der Bilder, etwas Text und viel Trial and Error meine Montage und Bedienung vornehmen.

Der erste Schritt bestand darin das Teleskop zu entfernen, sodass einem die nackte Montierung anstarrt. Danach entfernt man beide schwarze Plastikrädchen an der Feinjustierung der DEC und der RA Welle.

Als nächstes dreht man die Schrauben (Polhöhenschrauben) der Höhenverstellung heraus, kippt die Montierung nach vorne und entfernt die Kunststoffabdeckung der RA Achse (kleine Kreuzschraube).

Anschließend schiebt man eine der identischen Kupplungen über die Welle und schraubt diese leicht an. Wichtig, nicht fest sondern nur leicht anschrauben, sodass sich diese noch bewegen lässt.

Der nächste Schritt wird etwas knifflig. Aus dem mitgelieferten Schraubensortiment wählt man die längere der beiden Schrauben aus und schiebt diese, mit der Zuhilfenahme des ebenfalls enthaltenen Inbus, von der gegenüberliegenden Seite (Einblick Polsucher) durch die Montierung.

Mit der freien Hand legt man de RA Motor (helles Gehäuse) an und schraubt diesen Fest. Der Motor selber passt eigentlich nur in einer Position, sodass der RJ11 Anschluss nach schräg hinten zeigt.

Erst jetzt kontrolliert und korrigiert man bei Bedarf die Position der Kupplung und schraubt diese fest. Das ganze sollte dann in etwa so aussehen.

Nach dem gleichen Schema verfährt man auch mit dem Motor der DEC Achse, also Kupplung über die DEC Welle schieben und leicht anschrauben.

DEC Motor (dunkles Gehäuse) am Gehäuse der DEC Welle positionieren und so wie auf dem unteren Bild mit der kurzen Inbusschraube anschrauben. Anschließend Kupplung ausrichten und festziehen.

Zu guter Letzt wird das entfernte Plastikgehäuse der RA Abdeckung wieder angeschraubt und die Plastikrädchen der Feinjustierung über die Wellen der Kupplung geschoben (siehe Bild).

Als letzter Arbeitsschritt werden die Polhöhenschrauben wieder hineingedreht, die Montierung nach dem Breitengrad des eigenen Ortes eingestellt und das Teleskop aufgeschraubt. Fertig.

Ist die Montierung weiterhin manuell benutzbar?

Was mir bis zur fertigen Montage der Motoren nicht wirklich klar war, war die Frage ob die Montierung auch weiterhin manuell benutzt werden kann? Kurze Antwort, Ja!

Hierzu befindet sich an der Kupplung eine Rändelschraube. Löst man diese, trennt man die Kupplungswelle vom Motor und kann die Montierung wie gewohnt manuell feinjustieren.

Zieht man diese wieder fest, sorgt ein Gummiring für die Kraftübertragung zwischen Motor und Welle und der Motor übernimmt die Drehung.

Benutzung der Handbox

Dreh und Angelpunkt der Skywatcher EQ-5 Zweiachsen Motorset mit ST4 Anschluss (ich muss mir unbedingt eine Abkürzung einfallen lassen), ist die mitgelieferte Handbox mit Autoguiding-Anschluss.

  1. Die Umschaltung nördliche / südliche Halbkugel sollte in Europa natürlich auf N stehen. Mit der Stellung 0 ist die Handbox ausgeschalten.
  2. Die Nachführung Sonne, Mond, Sterne stellt die automatischen Geschwindigkeit für die jeweiligen Objekte ein. Für DeepSky sollte der Schalter auf Sterne stehen.
  3. Die Korrekturgeschwindigkeiten beziehen sich nur auf die Geschwindigkeit die mit der Handbox Achsen-Steuerung (5) oder über die ST4 Schnittstelle (7) gesteuert wird.
  4. Mit den zwei kleinen Schaltern an der Seite der Handbox, kann man die Drehung des jeweiligen Motors umkehren (Invert). Der Sinn und Zweck dieser Einstellung erschließt sich mir zwar nicht, aber egal.
  5. Die Achsen-Steuerung mit seinen vier Richtungstasten bewegt die Montierung in die jeweilige Richtung.
  6. Die Stromversorgung möchte mit 6 V Gleichstrom versorgt werden.
  7. Der Autoguiding-Anschluss (ST4) stellt die Schnittstelle zu autoguidingfähige Kameras her und
  8. an den RJ10 Buchsen RA und DEC wird der jeweilig Motor angeschlossen.

Das Skywatcher EQ-5 Zweiachsen Motorset in Betrieb

Verbindet man die Handbox mit den Motoren der „Skywatcher EQ-5 Zweiachs…. usw. (ab sofort SkyMoST4), versorgt diese mit Strom und hat die Umschaltung (1) auf N, rattert auch schon der Motor der RA Achse leise hörbar los. Das sollte man wissen, denn ansonsten könnte man auf die Idee kommen das der Motor defekt sei, da die winzige unsichtbare Bewegung ein leises fiepen erzeugt. Das soll den ein oder andern schon passiert sein, der dann völlig aufgelöst den Kundenservice angerufen hat und ein defektes Teil melden wollte *hüstel*.

Möchte man so ein Objekt Langzeit belichten, muss die Montierung auch hier hundert Prozent in Richtung Himmelsnordpol zeigen. Dafür ist das Ding aber nicht gebaut worden, beziehungsweise könnte man sich so eines der oben genannten günstigeren Sets kaufen. Die Handbox der SkyMoST4 kann darüber hinaus auch noch viel mehr, nämlich Autoguiding. Dafür benötigt man aber noch einiges mehr an Zubehör, wie…

  • …eine Kamera mit Autoguiding Anschluss (z.B. ZWO ASI 120 MC-S*)
  • …einen PC oder Notebook mit installierter Guiding Software (z.B. PHD2)
  • …ein ST4 Autoguiding Kabel, wenn nicht im Lieferumfang der Kamera enthalten und
  • ein Leitrohr/Sucherfernrohr mit 1,25″ Anschluss ich benutze dieses hier (*)

In der Kurzversion würde das ganze dann so aussehen:

Die Autoguiding Kamera wird in das Leitrohr/Sucherfernrohr gesteckt und mit dem ST4 Autoguiding Kabel mit der Handbox verbunden. Zusätzlich wird die Kamera per USB Kabel mit dem PC/Notebook verbunden. Die installierte Guiding Software erkennt das aktuelle Bild der Kamera, checkt die Position irgendeines Sterns (Leitstern) und sendet bei Bedarf Korrekturen über die Guidingkamera an die Handbox. Der Rest ist dann Magie.

Fazit

Kein DeepSky ohne Nachführung. Eine automatische Nachführung ist einfach eine unabdingbar Investition in der teleskopierenden Astrofotografie. Wobei, auf das Hobby Astronomie bezogen ist das Skywatcher EQ-5 Zweiachsen Motorset RA / DEC mit ST4 Autoguider Port eine eher preisgünstige Anschaffung.

Die Motoren des Sets arbeiten zuverlässig und relativ leise und auch die Verbindung mit der Guidingkamera und dem PC (Autoguiding) funktioniert. Selbst an meinem Mac konnte ich so ohne größerem Studium einen Leitstern folgen. Für Starhopping oder der generellen Bewegen des Teleskops, sind die Motoren aber viel zu Langsam. Selbst in der 16fachen Geschwindigkeit muss man schon genau hinschauen um eine Bewegung erkennen zu können. Das macht aber nichts, da die Kupplung der Nachführung weiterhin ein manuelles Feinverstellen zulässt. Für kleine Korrekturen, für was die Dinger vermutlich auch ausgelegt sind, ist die Geschwindigkeit aber ausreichend.


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