Fortnite vs. Jupiter und die Frage nach dem passenden Teleskop

Eines morgens zeigte ich unvermittelt meinen Kindern die ersten von mir gemachten Fotos von Jupiter und Saturn. Wohlwissend das die „Burschen“ (klingt komisch bei beinahe 18 Jährigen) die Fotos mit aberwitzigen Sarkasmus, spitzigen Bemerkungen oder mit gleichgültigen Achselzuckungen bestrafen würden. Ich hätte es ihnen nicht einmal übel genommen, denn für einem selber mögen die profanen Erstlingswerke noch kosmisch-phänomenal aussehen, für Außenstehende sind sie einfach nur winzig und schnöde. Selbst der Unbedarfte ist aus dem Amateursektor um einiges mehr gewöhnt als das.

Ich saß also da, mit der Tasse in der Hand und bereit jeden auch noch so blöden Kommentar zu kontern. Ich hab mit allem gerechnet! Angefangen bei Ja, dann zeig mal… Aha, du meinst den abgelichteten Brotkrümel da in der Mitte bis Ui, wo ist er denn der kleine? Ist der putzig, wächst der noch?. Ich war bereit! Aber auf das was dann wirklich kam, war ich überhaupt nicht vorbereitet.

„So sieht man den? Iiijaaaa, das glaub ich niemals…Vergiss es!“

Ich war kurz irritiert. Sollte es sich dabei tatsächlich um so was wie eine Huldigung handeln? Kann nicht sein! Ich wartete also ab, sicherlich kommt da noch ein platzierter Seitenhieb. Es kam aber nichts, so rein gar nichts! Sie kauften es mir einfach nur nicht ab, dass man mit so wenig Teleskop soviel Saturn sehen könne.

„So sieht man den? Echt Jetzt?“

Vermutlich handelt es sich hierbei um ein der sagenumwobene jugendliche Würdigung, von denen ich schon öfters gehört habe. Bei heranwachsenden Vertretern des männlichen Geschlechts ist es nämlich häufig so, dass das nicht verteilen einer Schelte, gleichzusetzen ist mit echter Anerkennung. Wie dem auch sei, nach einigem hin und her einigten wir uns darauf, das ich die Beiden in der nächste Nacht holen werde. Woraufhin sie sich dann selber davon überzeugen könnten, was mein popeliges Teleskop alles so drauf hat.

Hell ist die Nacht vor der Dämmerung

Im laufe des Tages erzählte ich meiner Frau von der Geschichte und das ich heute Nacht unbedingt und im höchsten pädagogischen Auftrag, einen Blick in die Sterne werfen müsse. Die Antwort meiner Frau war im Gegensatz der unserer Kinder wieder super einfach vorhersehbar:

Ja mach mal„,

gab sie zur Antwort und lag noch ein

das glaube ich eh erst wenn ich es sehe

nach. Als ich ihr erzählte das ich vermute das da tatsächlich astronomisches Interesse bei den Kindern bestehen könnte, hat sie bei ihrer darauffolgenden Antwort nicht mal versucht das hämische Lachen zu unterdrücken:

Da bin ich gespannt ob du die von der Kiste wegbringst!“.

Der Satz hat gesessen, dachte ich mir. Es ist ja wirklich so, dass der Stellenwert der modernen Medien einen großen Platz in der Freizeit unserer Kinder eingenommen hat. Zwar nicht bedenklich, aber dennoch spürbar vorhanden. Meiner Selbstachtung wegen hoffe ich aber das ich Recht behalten und zumindest für diese Nacht Jupiter über Fortnite Siegreich sein würde.

Als der Tag sich so langsam dem Ende neigte, was im Juni schon mal länger dauern kann, baute ich mein Teleskop samt Montierung auf. Meine Frau laß, wie so häufig in letzter Zeit, irgend eine Liebesschmonzette aus Australien. Ich selber beschäftigte mich mit der Justage einer parallaktischen Montierung, denn heute wollte ich es zumindest grob probieren den Nordstern anzupeilen.

Glücklicherweise ist der Große Wagen und somit der Polarstern, mit das erste was man am Himmel zu sehen bekam. Also runter mit den Polkappen und in tiefster Demut vor die Montierung gekniet. Ganz so einfach ist das dann doch nicht, so halb verrenkt am Boden kauernd mit dem Polsucher und der Montierung zu kämpfen. Irgendwie habe ich es dann doch geschafft und das ohne somatische Langzeitfolgen. Ich bin stolz auf mich.

Die Stunde der Wahrheit

Mittlerweile ist es schon ziemlich dunkel und meine Frau hat sich sicherheitshalber aufs Sofa zurückgezogen. Es dauerte aber noch eine volle Stunde, bis endlich der erste Gasriese hinterm Nachbarhaus vorlugte. Da meine Frau schon schlummerde, flitzte ich leise an ihr vorbei, die Treppe nach oben und in das Kinderzimmer Nummer Eins.

Wie nicht anders zu erwarten war Kind Nummer Eins gerade in einer „Session“, drehte sich um und glotze mich mit seinen Kopfhörern an, wie eine Henne der man gerade das Futter weggenommen hat.

Hey, es ist soweit“, sprach ich zu ihm, „Wenn du den Jupiter sehen möchtest, musst du jetzt runter kommen“. Während ich mich noch auf den Weg zum Kinderzimmer Zwei machte, hörte ich schon wie Kind Nummer Eins die Treppe hinunter lief. Das ging ja schnell, dachte ich mir.

Also, es ist soweit unterbrach ich Kind Nummer Zwei, das gerade am „netflixen“ war. Ohne weiter auf eine Antwort zu warten, machte ich mich auf den Weg in Richtung Balkon.

Unten angekommen starrte Kind Eins durch das Teleskop, wusste aber nicht so richtig was es mit der parallaktischen Montierung anfangen sollte. Ich stellte also das Teleskop in Richtung Gasriesen und erklärte ihm kurz wieso das Stativ so seltsam aussah. Während ich den ersten durchschauen ließ, kam der Zweite auch schon in Richtung Teleskop gewackelt. Das war ja einfach, dachte ich mir, so leicht hätte ich mir das entzerren der Kinder aus der medialen Obsession nicht vorgestellt. Mist, im größten Moment meines Triumphes schlummert meine Frau in Morpheus‘ Armen, war ja klar.

Da erkennt man sogar Streifen, sagte der Erste und wurde sogleich vom Zweiten weggeschoben. Lass mal sehen, sprach dieser. Wartet mal ab bis ihr den Saturn seht, gab ich zu Kenntnis und erklärte den beiden dabei den Sinn eines Suchers. Endlich konnte ich das wenige an Halbwissen lehrreich raushauen, welch erhabenes Gefühl ?.

Der Rest ist Geschichte, denn ich kenne niemanden, wirklich niemanden, der sich ansatzweise für Astronomie interessiert und beim Anblick des Saturns nicht dahinschmilzt. Neben Jupiter und Saturn, wurde noch entlang der Milchstraße beobachtet. Diesmal aber von den Kids alleine und eigentlich eher Zielloses, denn für DeepSky ist mein Teleskop nicht wirklich ausgelegt.

Irgendwann gegen halb vier begann dann die Morgendämmerung, welche ich mit dem Satz „Oh, seht ihr den leicht hellen Streifen da am Horizont. Jetzt wird es langsam hell“ bestätigte. Nach all den Stunden bekam ich auch endlich mal wieder etwas von meine Frau zu hören. Mit einem „Wasss!!! Es wird schon Hell? Ihr müsst doch verrückt sein“ verließ sie uns aber auch gleich wieder in Richtung Schlafzimmer. Wir, also eher ich, packten alles zusammen und machte uns letztendlich auch auf den Weg endlich etwas Schlaf abzubekommen.

Mein persönliches Resümee

Mein Fazit fällt diesmal unheimlich kurz aus, denn am nächsten Morgen, bei einem großen Schluck aus meiner Kaffeetasse, gingen mir nur zwei Dinge durch den Kopf:

  1. Super gemeinsamer Abend und
  2. Ich brauche unbedingt ein größeres Teleskop

Schreibe einen Kommentar

%d Bloggern gefällt das: