Raus mit der Schmidt-Platte! Eigenbau Gummidichtung für den Fangspiegel meines Meade LX200R (ACF)

Ich habe es ja befürchtet, auch wenn ich gehofft habe das es anders kommt, aber leider reichte es nicht aus nach dieser Anleitung meinen Fangspiegel fest zu bekommen. Allen Mühen zum Trotz war der Fangspiegel auch nach getaner Arbeit noch locker. Zu stramm sollte man ja den Fangspiegel nicht festdrehen, sagt man, denn die Schmidt-Platte möchte ungern gequetscht werden. Aber genau das müsste ich machen, möchte ich den Fangspiegel irgendwie fest bekommen.
Um die Adhäsion auch bei geringerem Anzugsdrehmoment hoch zu halten, wurden von Meade zwei Dichtringe zwischen dem Fangspiegelgehäuse und der Schmidt-Platte platziert.

Hierzu nochmals eine schematische Zeichnung:

Da ich aber trotz „ordentlichem“ festdrehen den Fangspiegel immer noch drehen konnte, vermutete ich das dass Problem an eben genau diesen zwei Dichtungen liegen könnte. Ich kam also nicht drumherum die Schmidt-Platte auszubauen und mir ein eigenes Bild über den Zustand der Dichtringe zu machen.

Raus mit der Schmidt-Platte

Bevor man sich jetzt darüber macht den Meade zu zerstückeln, sollte man sich im klaren sein das hier nur Zollschrauben zum Einsatz kommen. Ohne passendes Werkzeug ist die Arbeit am Teleskop schneller beendet als man Luft holen kann.

Mit dem passenden Werkzeug ist der Rest aber kein größeres Hexenwerk, auch wenn ich nochmals betonen möchte das jeder für sich selber entscheiden sollte ob er sich so etwas antun möchte.

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Um zu vermeiden das die Schmidt-Platte unbeabsichtigt in Richtung Erdmittelpunkt fällt, vorher natürlich aufgefangen vom Fliesenboden, sollte der Tubus so arretiert werden das die Öffnung leicht nach oben zeigt.

Zuerst wird der Fangspiegel entfernt. Hierzu werden die 3 äußeren Schrauben des Fangspiegels gelöst und der Fangspiegel einfach entnommen. Das habe ich ja hier schon beschrieben.

Ein späteres verdrehtes einbauen des Fangspiegels ist eigentlich nicht möglich, da die Bohrungen asynchron angebracht wurden. Sprich sie sind nicht exakt in 120° Abständen angebracht, sondern leicht versetzt. Der Fangspiegel passt also nur in einer Position in das Fangspiegelgehäuse. Zumindest bei meinem Model.

Markieren kann man den Spiegel aber dennoch, generell sollte man lieber einmal zu viel als einmal zu wenig markieren.

Markierungen! Das A und O beim Ausbau

Das Fangspiegelgehäuse, also das runde schwarze Metallloch welches nach der Entnahme des Fangspiegels über bleibt, sollte man aber auf jeden Fall markieren. Dieser verdreht sich im späteren Verlauf mit Sicherheit und ein verdrehtes einbauen sollte man tunlichst vermeiden heißt es. Warum? Um ehrlich zu sein ich habe keine Ahnung. Nach meinem Verständnis sollte es ja Wurst sein wie der Fangspiegel steht, denn einstellen, also verkippen, muss man ihn später sowieso. Aber sei´s drum, ein Fehler ist der identische Einbau sicherlich nicht. Vielleicht hat das auch etwas mit dem zentrischen platzieren des Fangspiegels zum Hauptspiegel zu tun, wer weiß.

Wo man seine Markierung anbringt ist wiederum egal. Traditionshalber habe ich meinen Strich auf 3 Uhr angebracht, da die Markierung am Fangspiegel in den meisten Fällen auch in Richtung 3 Uhr zeigen sollte.

Nächster Schritt, Baumwollhandschuhe anziehen! Denn ab jetzt kommt man unweigerlich in Kontakt mir der Schmidt-Platte, zumindest habe ich es nicht geschafft das Ding ohne Berührung aus und wieder einzubauen.
Nach dem bekleiden der Glieder, löst man die 6 Schrauben ringsherum und hebt den Metallring ab.

Jetzt hat man einen freien Blick auf die Schmidt-Platte, aber bevor man diese aus dem Tubus herausnimmt, hebelt oder zerrt, manchmal klebt die Schmidt-Platte förmlich im Tubus, sollte nach einer Markierung gesucht Ausschau gehalten werden.

Im Normalfall ist beim Meade die Schmidt-Platte unten mit einer weiß-schwarzen Markierung versehen (siehe Bild). Wenn diese fehlt, MUSS unbedingt eine solche Markierung angebracht werden.
Ich betone es gerne!!! Es ist von essentieller Wichtigkeit das die Schmidt-Platte später wieder exakt in der selben Position eingebaut wird. Das soll irgendwas mit den Fertigungstoleranzen zu tun haben, welche ab Werk mit einem aufeinander abgestimmte Optik (Schmidt-Platte zu Hauptspiegel zu Fangspiegel) auf ein minimum reduziert werden.

Vor der Entnahme kann mit einem Blasebalg oder dem Staubsauger Staub und Späne (von den Schrauben etc.) weggeblasen oder abgesaugt werden. Das sollte jeder selber entscheiden in wie weit Partikel ins innere des Tubus fallen könnte.

Anschließend wird die Schmidt-Platte aus den Tubus entnommen. Dazu darf man ruhig in das vorhandene Loch des Fangspiegel Gehäuse greifen, denn wie gesagt kann die Schmidt-Platte auch ziemlich fest im Tubus pappen.

Hat man die zugegebenermaßen schwere Schmidt-Platte den Fängen des Tubuses entrissen, sollte diese auf ein sauberes Baumwolltuch oder ähnlichem abgelegt werden. Das einzige was bei mir aus reiner Baumwolle war, war ein altes aber sauberes Schlafanzugoberteil. Natürlich geht das auch 😉.

Jetzt kann man die Blende einfach abschrauben, denn diese ist wird nur aufgeschraubt und klemmt auf diese Weise die Schmidt-Platte ein (siehe schematische Zeichnung oben).

Kreativ arbeiten mit Schere und Gummi

Mit abgeschraubter Blende sollte das ganze dann in etwa so aussehen. Ja ich habe die Unterlage gewechselt. Sieht mit Haushaltstüchern einfach professioneller aus 😊.

Wie gesagt befindet sich zwischen Blende und Schmidt-Platte eine Art Ringdichtung (links im Bild). Bei mir war diese aus Pappe. Vermutlich war diese einmal aufgeraut, aber mittlerweile ist sie glatt wie ein Babypopo. Klar das hier keine Haftung mehr stattfindet.

Logische Konsequenz ist das tauschen des alten Rings aus Papier gegen eine aus Gummi. Leider gibt es keinen fertigen Dichtringe zu kaufen, aus diesem Grund musste ich mir eine 1mm dicke Gummiplatte besorgen und selbst Hand anlegen.

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Was zwar hier und da zu lesen ist, aber hierfür auf keinen Fall funktioniert, ist Filz oder Vlies. Glaubt mir, ich habe es probiert. Dieses Material ist bei einem so dünnem Ring einfach zu wabbelig und verzieht sich spätestens beim anschrauben der Blende.

Das richtige Maß paust man einfach von der Blende ab. Blende auf die Gummiplatte legen und einmal mit dem Stift außen und innen herumfahren, schon hat man einen dünnen Ring aufs Papier…ähm auf Gummi gebracht.

Jetzt noch die große Haushaltsschere geholt und mit viel Geduld den Ring ausschneiden.

Meiner Meinung nach ist es ausreichend nur die innere Dichtung zu tauschen, denn wie gesagt möchte man ja nur die Adhäsion erhöhen. Der zweite Papierring, also der äußere am Gehäuseteil mit dem Spiegel, kann bleiben. So sitzt der justierbare Teil wenigsten satt an der Schmidt-Platte. Gummi ist da doch etwas nachgiebiger als Papier und ich weiß nicht in wie fern das die spätere Kollimation beeinträchtigen könnte.

Zum Schluss wird die Fanspiegelblende wieder aufgeschraubt und so die Schmidt-Platte festgeklemmt. Dabei sollte man darauf achten nicht den Spiegelhalter zu verdrehen, sodass sich die 3 Uhr Markierung nicht verdreht. Sollte sie sich dennoch verdrehen, ist das kein Problem. Man hat nach dem Einbau noch die Möglichkeit den Fangspiegelhalter auszurichten.

Jetzt wird die Schmidt-Platte samt Spiegelgehäuse wieder zurück in den Tubus gesteckt. Sollte die Schmidt-Platte ein leichtes radiales Spiel aufweisen, was bei mir der Fall war, kann das erneuern der kleinen Filzstreifen am Rand des Tubus wahre Wunder bewirken.

Hat man die Schmidt-Platte eingelegt und mit der Markierung deckungsgleich gebracht, kann der schwarze Metallring eingelegt und die Schmidt-Platte über kreuz wieder angeschraubt werden. Dabei sollte man nicht zu dolle anzuschrauben, es reicht die Schrauben leicht anzuziehen.

Kommen wir zurück zu unserer 3 Uhr Markierung am Fangspiegelhalter, ist diese noch auf 3 Uhr? Wenn ja ist alles Prima und wir können den Fangspiegel festschrauben. Die Arbeit ist beendet und wir können den Schmidt-Cassegrain justieren.

Wenn nicht, steht uns noch eine kleine Arbeit bevor. Da der Fangspiegelhalter recht schmal ist, ist es wichtig weiterhin saubere Baumwollhandschuhe zu tragen. Zuerst langt man mit der einen Hand durch das Loch im Fangspiegelhalter und greift sich innen die Blende, die andere Hand hält außen den Fangspiegelhalter fest. Jetzt lockert man die Blende und dreht den Fangspiegelhalter in die richtige Position (Markierung 3 Uhr). Jetzt wird die Blende wieder festgeschraubt und darauf geachtet das sich der Fangspiegelhalter nicht mit dreht. Fertig, dass war es schon. Jetzt nur noch den Fangspiegel anschrauben und glücklich sein.

Fazit

Es ist wirklich nicht schwer so eine Schmidt-Platte auszubauen, wenn man ein paar Grundregeln beachtet: Erstens, ohne Hast arbeiten. Zweitens, sauber arbeiten und drittens markieren. Ansonsten ist es nicht viel schwerer als Lego bauen. Was mir jetzt noch fehlt ist das justieren des Fangspiegels am künstlichen Stern, denn das Wetter will einfach nicht mitspielen. Ein Artikel dazu wird noch folgen.

CS, Dimi

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