Reparatur eines lockeren Fangspiegels am 14 Zoll Meade LX200R (LX200 ACF)

In der Welt der Cassegrains ist das leider keine Seltenheit und nicht selten liest man von einem sich in der Schmidt-Platte drehbaren Fangspiegel. Das hat einen Grund und dieser liegt im besonderen Aufbau eines solchen Schmidt-Cassegrain. Im Gegensatz zum Newton Teleskop wird der Fangspiegel vorne in einer dicken Linse (Schmidt-Platte) gehalten. Diese Linse ist Teil des aufwendigen optischen Systems und verhilft einem Schmidt-Cassegrain zu einer deutlich längeren Brennweite als der Tubus hergeben würde.

Anders als wie bei einem Newton Teleskop, findet auch die Justierung eines Schmidt-Cassegrain, wie meinem LX200, einzig über den verbauten Fangspiegel statt. Der Hauptspiegel kann im Normalfall nicht justiert werden.

Meine Hand würde ich jetzt für folgende Aussage nicht ins Feuer legen! Ich glaube mich aber daran zu erinnern, dass ab Werk die Optiken des Schmidt-Cassegrain, also Fangspiegel, Schmidt-Platte und Hauptspiegel, gewisse Toleranzen aufweisen. Um dennoch das beste Ergebnis zu erhalten werden ab Werk alle Optiken solange verdreht, bis das beste Ergebnis erreicht wurde. Aber wie gesagt habe ich das nur gelesen.

Bei meinem LX200R (ACF) wurde, vermutlich aus dem oben genannten Grund, die Schmidt-Platte ab Werk in ihrer Position markiert. Sodass man diese beim entfernen wieder exakt auf die gleiche Position bringen kann. Wichtig hierbei ist eine übertragende Markierung.
Sollte man selber eine Markierung vornehmen, ist es wichtig das die Markierung über die Schmidt-Platte hinaus auf den Tubus eingezeichnet wird. Nur so kann die Winkelstellung beim Einbau auf den Millimeter genau ausgerichtet werden kann.

In etwa genauso soll es sich auch mit dem Fangspiegel verhalten, wobei hier die Meinungen stark auseinandergehen. Es gibt einige nicht gerade unbedeutende Stimmen, die der Meinung sind das seit Jahrzehnten die Winkelstellung des Fangspiegels unbedeutend sei und der Grund hierfür auf die damaligen Fertigungstoleranzen zurückzuführen sind. Allerdings ist das ein heftiges Streitthema, bei dem man sich auch noch Jahrzehnte später die Köpfe einschlägt.

Ich für meinen Teil richte mich nach der positionsbestimmenden Fraktion, denn selbst wenn die Stellung des Fangspiegels egal sein sollte, mache ich mit einer unnötigen Ausrichtung des Fangspiegels nichts verkehrt. Anders herum ist es schon schlechter, denn sollte die Position tatsächlich von essenzieller Bedeutung sein, ist es ziemlich ungünstig wenn ich den Fangspiegel irgendwie einbaue.
Aus diesem Grund ist eine Markierung nie verkehrt! Dumm nur, wenn man wie in meinem Fall nicht mitbekommt das der Fangspiegel sich verdreht hat und man die ursprüngliche Position nicht mehr kennt.

6 und 3 Uhr

Nach einigen Nachforschungen in den weiten des WWW, stieß ich auf folgende Behauptung. Die Schmidt-Platte selber sollte von vorne gesehen, wenn sie ab Werk markiert wurde, auf 6 oder in manchen Fällen auf 5 Uhr markiert worden sein. In meinem Fall stimmt 6 Uhr.
Der Fangspiegel „sollte“, man beachte die Anführungsstriche, demnach auf 3 Uhr stehen. Warum, weshalb oder wieso, konnte ich nicht herausfinden. Allerdings scheint man sich in den Foren dieser Welt ziemlich einige zu sein das 6 (bzw. 5) und 3 Uhr richtig sei und das ist schon einmal erstaunlich.

Ausbau des Fangspiegels

Bei vielen Cassegrains muss zum befestigen, bzw. ausrichten des Fangspiegels, die komplette Schmidt-Platte samt Fangspiegel ausgebaut werden. Bei meinem Meade, und soweit ich weiß auch bei manchen Schmidt-Cassegrain der Firma Celestron, glücklicherweise nicht.

Bei meinem LX200R sind es einfach nur 3 Schrauben. Löst man diese außen angebrachten Schrauben, bloß nicht die Inneren, denn diese sind für die Justage, kann man den Fangspiegel einfach nach vorne herausnehmen.

Der Fangspiegel selber ist aufgeklebt auf einer Aluplatte und diese Aluplatte wird mit den Justageschrauben eingestellt. Es gibt auch tatsächlich eine Markierung, welche sich direkt über den Führungsbolzen befindet.

Diese Markierung muss man jetzt auf die Außenseite des Fangspiegels übertragen, wieder zurück in den Fangspiegelhalter der Schmidt-Platte schrauben und auf 9 Uhr drehen.

Jetzt hat man zwar die richtige Position des Spiegels, aber der Fangspiegel selber ist ja immer noch locker.

Aufbau Fangspiegel LX200R

Nun wird es etwas knifflig! Zum besseren Verständnis möchte ich den Aufbau des Fangspiegelhalterungs-Systems erklären. Dazu habe ich eine mehr oder weniger gute Skizze entworfen.

Der komplette Fangspiegel des LX200R besteht aus drei Teilen. Von innen nach außen (rechts nach links) ist das die Blende mit Innengewinde, die Fangspiegel Aufnahme in Form einer riesigen Hohlschraube und der Fangspiegel selber, welcher von außen mit 3 Schrauben an die „Fangspiegel Aufnahme“ geschraubt wird.
Zwischen der Fangspiegel Aufnahme und der Blende wird die Schmidt-Platte eingeklemmt.

Der eigentliche Arbeitsschritt bestand nun darin die Fangspiegel-Aufnahme mit der Blende fester zu verschrauben, ohne dabei die 3 Uhr Position des Fangspiegels zu verändern. Dazu schrauben wir den Fangspiegel wieder ab und greifen mit der Hand durch das entstandene Loch.

Innen angekommen greift man sich die Blende und schraubt diesen von innen fest. Die zweite Hand hält dabei die Fangspiegel-Aufnahme fest, ansonsten würde sich diese ja wieder verdrehen. Da die Fangspiegel-Aufnahme sehr schmal ist, kommt man unweigerlich in Kontakt mit der Schmidt-Platte. Aus diesem Grund ist es wichtig saubere Baumwollhandschuhe zu tragen.

Wie fest sollte man den Fangspiegel schrauben? Das ist eine gute Frage. Wie immer lautet die Devise so locker wie möglich, aber so fest wie nötig. Übermäßiger Druck sollte auf die Schmidt-Platte nicht ausgeübt werden. Das gelingt aber nur mit intakten Dichtringen. Sollten diese porös sein und daher keine Haftung mehr besitzen, muss man wohl oder übel die Schmidt-Platte ausbauen und neue Dichtringe einlegen.

Fazit


Ich war angenehm überrascht wie „unkompliziert“ doch der Ausbau des Fangspiegels war. Einfach vorne 3 Schrauben lösen und den Fangspiegel entnehmen. Natürlich beinhaltet die Prozedur ein anschließendes justieren des Teleskops. Das aber werde ich vielleicht an anderer Stelle beschreiben, zumal aktuell der Himmel kein justieren am Stern zulässt. Vielleicht sollte ich mir einen künstlichen Stern zulegen, dass wäre doch mal eine vernünftige Investition.

CS, Dimi

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