Vielen Dank lieber Mond! Dann doch der zweite Versuch mit Jupiter

Eigentlich begann die gestrige Nacht mit einem kleinen Reinfall! Ursprünglich wollte ich endlich ein Objekt aus dem Messier Katalog vor die Linse bekommen. Die dafür anfallenden Besorgnisse wurden schon im Vorfeld getätigt, wie zum Beispiel der Kauf einer Rotlicht-Stirnlampe. Wer einmal in einer finsteren Nacht ohne zusätzliche Lichtquelle versucht hat das Okular zu tauschen, weiß wovon ich Rede.

Das Teleskop wurde also aufgebaut und ein paar einfach Objekte aus der AstronomiechallengeAG von Twitter ausgesucht. Jetzt nur noch warten bis es endlich richtig dunkel wird.

24 Uhr! Ein genial wolkenloser Himmel, aber verdächtig wenig Sterne. Außerdem ist es immer noch erstaunlich hell. Ganz kurz, also wirklich nur für den Bruchteil einer Sekunde, starrte ich verdattert in Richtung Himmel. Dann wurde es mir aber klar! Luna die Ratte!!! Versteckt sich hinter den Bäumen und erhellt dennoch das Firmament mit 80% seiner Rückstrahlkraft. Das der Mond so manche nächtliche Sternenbeobachtung zunichte gemacht hat, habe ich gelesen. Das es aber so deutlich ausfallen würde, hätte ich nicht erwartet. Aber wie heisst es so schön…

„Erfahrungen vererben sich nicht – jeder muss sie allein machen“.

Jetzt habe ich sie auch machen dürfen. Die Nacht ist jung und hell, was tun? Natürlich! Guck ich mir halt Saturn und Jupiter an, dass geht immer. Vor allem mit Jupiter habe ich noch ein Hühnchen zu rupfen, war doch mein letzter Fotoversuch mit ihm eine herbe Enttäuschung.

Allgemeine Informationen

  • Teleskop: Bresser Refraktor 70/900
  • Montierung: Skywatcher EQ5
  • Baader Planetarium Classic Ortho Okular 18mm
  • Celestron NexYZ Smartphone Halter
  • Kamera: Smartphone S9 / „Manual Camera DSLR Pro“ App
  • Datum: 01. Juli 2020 etwa 2 Uhr

Es gibt tatsächlich Neuerungen in meiner Ausrüstung. Allen voran natürlich die „Baader Planetarium Classic Ortho Okulare„, über die ich sicherlich noch gesondert schreiben werde und dem „Celestron NexYZ Smartphone Halter“. Letzteres ist in der Handhabung nicht ganz so komfortabel wie erhofft, aber mit ein paar kleinen Tricks kann man durchaus komfortabel und vor allem besser arbeiten als mit der Bresser Smartphone Halterung.

Die Magie von Lynkeos

Mit den neuen Baader Okularen sah Jupiter mit dem bloßen Auge schon klarer aus als mit den alten Huygens Dingern. Bei der Fotografie wollte ich diesmal nicht ganz so jungfräulich rangehen. Zum ersten wurden diesmal die Kamera-App manuel eingestellt (ISO 500, Belichtung 1/400, Fokus unendlich) und zum zweiten wurde zur Bildbearbeitung die „Lynkeos“ Software benutzt.

Aufgenommen wurden diesmal neben Fotos auch Videos. Die App wurde bei den Videos aber bei den Standard Einstellungen belassen. Die Fotos hingegen wurden mit der integrierten Selbstauslöser-Schleife und bei einer dazwischenliegenden Pause von je 10 Sekunden gemacht. So konnte ich mich ganz und gar auf das Nachrücken des Jupiters kümmern. Was mit der EQ5 Montierung Prima funktioniert hat.

Bilder aus der Videoaufnahme

Das Rohvideomaterial in vergrößerter Darstellung.

Anhand des doch recht verschwommenen Videos, ist es schon erstaunlich was Lynkeos an Bildern herausgeholt hat.

Selbst die Streifen der Atmosphäre sind darauf deutlich zu erkennen.

Bilder aus den Fotoaufnahmen

Für das Stacken wurden die Fotos in RAW Format aufgenommen. Es kamen 14 Rohbilder zum Einsatz, wobei auch hier das Original eher bescheiden aussah.

Das von Lynkeos erzeugte Bild kam dem was ich live gesehen habe schon sehr nahe.

Zwar ist das erzeugte Bild etwas rauher und farbiger als das reale, dafür kann man (mit etwas Fantasie) den roten Fleck erkennen. Die Galileischen Monde hingegen erkennt man gar nicht, dafür musste ich die Einstellung der Kamera App stark überbelichten.

Fun Fact am Rande, vor 4 Tagen waren noch alle vier Monde auf einer Seite.

Bleibt festzuhalten das ich mich am Ende des Tages (besser der Nacht) doch wieder mit der Astronomie und dem Schattendasein des leuchtenden Mondes (welch Wortspiel) versöhnt habe. Ich muss wiederholt festhalten, dass selbst mein altes billiges 70/900 Linsenfernrohr erstaunliche Bilder erzeugen kann. Mal sehen ob es auch irgendwann mal was mit dem „DeepSky“ wird 😉.

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